Jan Banning – Bureaucratics. Fotografie | Nord-LB 14.06.2012 19:00

Die Welt der Bürokratie als exotisches Soziotop steht im Fokus der Fotoserie „Bureaucratics“ des niederländischen Fotografen Jan Banning. Das konzeptuell angelegte Projekt erlaubt einen Blick hinter die Kulissen der staatlichen Verwaltung verschiedener Länder und Kulturen auf fünf Kontinenten.
Startpunkt des Projekts war 2003 eine Porträtserie über indische Staatsbeamte; es folgten Russland, Bolivien, Frankreich, Liberia, China, Jemen und USA. Auf seinen Reisen porträtierte Banning tausende Staatsangestellte aller Hierarchie-Ebenen in ihren Amtszimmern, vom einfachen Archivar bis zum höheren Beamten. In der Ausstellung zu sehen ist eine Auswahl von 50 Fotografien.
Die einen arbeiten in spartanischer Umgebung mit einer einfachen Glühbirne vor nackten Wänden, andere erfüllen ihre Amtspflichten umgeben von imposanten Aktengebirgen zwischen Pin-up-Postern, Grünpflanzen und Hirschgeweih. Zwischen diesen und anderen Extremen variiert das weltweite Spektrum der Bürogestaltung, das die Fotografien mit geradezu ethnologischer Sorgfalt dokumentieren.
Immer sitzen die Porträtierten hinter ihren Schreibtischen – ausdrucksstark umgeben von mehr oder weniger Arbeitsmaterialien und Büronippes. Was erzählen Tapetenmuster, Täfelungen und Wandfarben, Aktenschränke aus poliertem Echtholz oder lose Blätterbündel, Kunstwerke, Kalender und Jagd-Trophäen oder der vollkommene Verzicht auf jegliche Büro-Dekoration über die Verwaltungskultur eines Landes und ihre Vertreter? In der Zusammenschau der Amts-Ansichten entfaltet sich eine humorvoll-kritische Typologie der Rollen, Symbole, Rituale und Kulturen internationaler Verwaltungen – verbunden mit der Verlockung, eigene Hintergründe und Erfahrungen von Verwaltungskultur vergleichend zu ergänzen.
(Text + Bild: NORD-LB)