Strich-Code: Eine Schwarmkunstaktion zum Wa(h)rencharakter von Sexualität und Kunst

Sechs Millionen Preisetiketten – das größte Straßenkunstprojekt des Sommers 2012 startet am 19.06. in Hannovers Innenstadt
Den ganzen Sommer 2012 werden das Historische Museum, hannoversche Straßen zwischen dem Museum und dem Marstall sowie des Tabledance-Clubs Hands Off zur großen und zur ungewöhnlichen Bühne für die Kunst.
Hinter Strich-Code stehen die Künstlerinnen Ulrike Enders, Dagmar Schmidt, Kerstin Schulz und der Künstler Franz Betz. Zusammen mit der Journalistin Susanne Lindau hinterfragen die Künstler die Arbeit rund um den käuflichen Sex einerseits und um die käufliche Kunst andererseits durch Lichtskulpturen, Plastiken, Fotografien und einer Preisetiketten-Installation.
Das „Prostitutionsgesetz“ vom 1.1.2002 machte freiwillige Sexarbeit zu einer legalen Erwerbstätigkeit. Strich-Code will den gesellschaftlichen Diskurs über Sexarbeit zehn Jahre danach anstoßen. Millionen von Sonderpreisetiketten laden dazu ein, sich mit Themen wie Wertschätzung, Transparenz, Intimität, Sexualität, Käuflichkeit, Kunst und Kommerz neu zu beschäftigen. Hat sich die gesellschaftliche Haltung seit Inkrafttreten des Prostitutionsgesetzes gegenüber Sexarbeit verändert? Wie sehr muss sich ein Künstler verbiegen, um von seiner Arbeit leben zu können? Ist das nicht eine Form der Prostitution? Sind Künstler tatsächlich die Idealisten, für die man sie hält, bereit mit ihrer Kunst der Gesellschaft zu dienen oder geht es nicht in erster Linie um Selbstverwirklichung oder gar nur um das Ausleben persönlicher Zwänge?
Sex sells! Das funktioniert tagtäglich in den Medien und in der Werbung. Damit spielt auch das Kunstprojekt Strich-Code. Der starke visuelle Reiz der unzähligen Preisetiketten unterstreicht die Marktregel überdeutlich und treibt sie ironisch auf die Spitze.
Im Innenhof des Historischen Museums Hannover entsteht ein fiktiver Rotlichtbezirk. Ein Raum im Tabledance-Club Hands Off im angrenzenden Rotlichtviertel gestaltet sich zu einem fiktiven Kunstmuseum. Eine Spur aus Preisetiketten soll die beiden Kunstorte über Straßen, Gehsteige, Plätze, die Fassaden von Kreuzkirche und anderen Gebäuden verbinden.
Das Vorhaben, dass unter anderem die Firma contact, die Region Hannover und Phoenix e.V. tragen, kann nur gelingen, wenn sich kunstinteressierte Menschen finden, die mit den Künstlern gemeinsam vom 19. Juni bis zum 9. September, dem Beginn der Präsentation, das erste Schwarmkunstprojekt in Hannover realisieren möchten. Schaffen es die Künstler vier Millionen Preisetiketten zu kleben, dann stellt die Firma contact zusätzliche zwei Millionen Preisetiketten zur Verfügung, um weitere Bereiche entlang der Kunstspur zu gestalten.
Haben Sie Lust und Zeit dabei zu sein und sich mit einem Etikettier-Gerät künstlerisch zu betätigen? Am Dienstag, dem 19. Juni ab 17:00 Uhr erwartet die Künstlerin Kerstin Schulz Sie und Ihre Freunde, Bekannte, Familie und Kollegen zu einem ersten Termin auf dem Ballhofplatz. Außer guter Laune brauchen Sie nichts mitbringen.
Danach wird es bis zur Eröffnungsfeier am 9. September im Historischen Museum immer dienstags (17.00-19.00 Uhr), freitags (15.00-17.00 Uhr) und samstags (10.00-12.00 Uhr) Gelegenheit geben, sich künstlerisch bei diesem einzigartigen Schwarmkunstprojekt zu betätigen. Sie können zu jedem dieser Termine einfach ohne vorherige Anmeldung vorbeikommen. Die Künstler freuen sich auf Ihre Mithilfe.
Weitere Informationen zum Projekt und zu den Mitmach-Terminen erhalten Sie unter strichcodehannover.wordpress.com sowie unter www.galerie-schinkel-sehl.de.
(Text+Bild: Pressemitteilung)